Interview mit Matthias Schmidt (Birdlife Österreich) über CORO-SKAT (Conservation Of Raptors and Owls), ein Österreichisch-slowakisches Projekt zum Schutz von Störchen, Greifvögeln und Eulen.

Datum: 10. April 2013

English version.

Die Grenzregion Österreich/Slowakei gehört zu den ornithologisch wichtigsten Regionen Mitteleuropas. Als Heimat von Sakerfalke, Kaiseradler, Seeadler, Schwarzstorch und vielen anderen Arten ist ihr Schutz von überregionaler Bedeutung. In diesem Interview stellt Matthias Schmidt von Birdlife Österreich das Schutzprojekt CORO-SKAT (Conservation Of Raptors and Owls) vor.

Matthias Schmidt

Matthias Schmidt
© Matthias Schmidt

Markus Jais: Was ist das Coro-Skat Projekt und wer ist daran beteiligt?
Matthias Schmidt: Coro-Skat steht für Conservation of Raptors and Owls in Slovakia and Austria. Es handelt sich dabei um ETZ-Projekt der Europäischen Union. Beteiligt sind in der Slowakei, die Greifvogelschutzorganisation RPS und in Österreich der Verein Auring sowie BirdLife Österreich. Ziel ist, das Wissen über die Verbreitung der Zielarten zu erhöhen und gezielte Schutzmaßnahmen für diese Arten umzusetzen. Das Projektgebiet umfasst grob das Weinviertel in Niederösterreich sowie die Zahorie Region in der Slowakei.

Markus Jais: Welche Greifvogelarten sind Bestandteil des Projekts?
Matthias Schmidt: Zielarten des Projekts sind Seeadler, Kaiseradler, Rotmilan, Schwarzmilan, Wespenbussard, Rohrweihe, Wiesenweihe, Sakerfalke und Uhu. In der Slowakei werden zudem noch Steinkauz und Schleiereule, in Österreich Weiß- und Schwarzstorch mitbearbeitet.

Markus Jais: Welche Gefahren für Greifvögel gibt es im Projektgebiet?
Matthias Schmidt: Da das Projektgebiet relativ groß ist, sind die Gefahren auch sehr zahlreich und unterschiedlich. Große Bedrohungen sind illegale Verfolgung und der unkoordinierten Ausbau der Windkraft. Allein von den bisher fünf in Österreich besenderten Kaiseradlern wurden bisher einer sicher und zwei sehr wahrscheinlich Opfer von illegaler Verfolgung. Das lässt das Ausmaß der Problematik erahnen. Darüber hinaus ist der fortschreitende Verlust von Lebensraum durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft die wahrscheinlich größte Bedrohung. Dies betrifft sowohl den Brutlebensraum als auch die Flächen, die zur Nahrungssuche genutzt werden.

Markus Jais: Wie sind die Bestände und die Bestandsentwicklung bei See- und Kaiseradler im Projektgebiet?
Matthias Schmidt: Für beide Arten ist glücklicherweise sowohl im Projektgebiet als auch österreichweit eine positive Bestandsentwicklung zu verzeichnen. Vom Kaiseradler brüten im Projektgebiet 2012 8 Paare (7 in Östereich und 1 in der Slowakei). 6 Paare brüteten erfolgreich – in Summe konnten 12 Jungvögel ausfliegen. Ähnlich ist die Situation beim Seeadler – im Projektgebiet konnten 2012 sieben Paare brüten.

Eastern Imperial Eagle

Östlicher Kaiseradler mit Satellitensender
© Matthias Schmidt

Markus Jais: Was wird getan um den Adlern zu helfen?
Matthias Schmidt: Für alle Arten im Projekt ist ein wesentliches Ziel, die Grundbesitzer und Landnutzer zu informieren und aufzuklären. Hierfür wurde eine Broschüre über Horstschutz und Horstschutzmaßnahmen entworfen und gedruckt, welche an die Gemeinden und Landnutzer verteilt wurde. Es wird versucht, die hohe Bedeutung von alten Bäumen, sowohl in der Kulturlandschaft als auch im Wald den entsprechenden Personen vor Ort zu vermitteln. Weiters werden einzelne alte Bäume vor der Nutzung gesichert und Kunsthorste angebracht.

Markus Jais: Wie ist die Entwicklung beim Sakerfalken?
Matthias Schmidt: Die Entwicklung beim Sakerfalken ist glücklicherweise sehr positiv. 2012 konnten für Österreich 26 Brutpaare nachgewiesen werden. In Summe wurden 38 Jungvögel flügge.

Markus Jais: Welche Schmutzmaßnahmen gibt es für den Sakerfalken?
Matthias Schmidt: Als Schutzmaßnahmen werden in einem gemeinsamen Projekt mit der Austrian Power Grid und FiWi (Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie) Nistplattformen an Hochspannungsmasten angebracht. Darüber hinaus werden, abgesehen von Öffentlichkeitsarbeit, derzeit keine Schutzmaßnahmen durchgeführt.

Eastern Imperial Eagle chicks

Östlicher Kaiseradler Jungvögel
© Matthias Schmidt

Markus Jais: Welche Schmutzmaßnahmen werden für die beiden Milane, Rohrweihe und Wiesenweihe durchgeführt?
Matthias Schmidt: Ähnlich wie bei den Adlern liegt hier ein Schwerpunkt in der Aufklärung von Grundbesitzern und Landnutzern. Informationen über Horstschutz bzw. Nestschutz sowie die Umsetzung und Schaffung von Horstschutzzonen sollen auch hier den besagten Arten helfen.

Markus Jais: Wie ist die Situation des Uhus im Projektgebiet?
Matthias Schmidt: Prinzipiell positiv - wir wissen aber nur sehr lokal genaueres.

Markus Jais: Welche Arten wurden besendert und was sind die Ergebnisse bisher?
Matthias Schmidt: Im Zuge des Projekts wurden auf österreichischer Seite bisher 5 Kaiseradler mit Satelliten-GPS-Sender und auf slowakischer Seite 5 Kaiseradler und 1 Rotmilan und ein Uhu mit VHF-Sendern ausgestattet. Das wohl traurigste aber auch ein unmittelbar sehr wichtiges Ergebnis ist, dass die illegale Verfolgung in Österreich leider nach wie vor drastische Auswirkungen auf unsere Greifvögel hat. Das drei der fünf in Österreich besenderten Vögel innerhalb von zwei Jahren Opfer der illegalen Verfolgung wurden, ist eine sehr hohe Rate. Das hat uns sowohl überrascht und als auch schockiert. Weiters konnten natürlich aber auch wertvolle Daten über das Jungenddispersal sowie die Lebensraumnutzung im Allgemeinen gesammelt werden. Detaillierte Auswertungen dazu stehen aber noch an.

Markus Jais: Wie wichtig ist das Natura 2000 Netzwerk der EU für das Projekt?
Matthias Schmidt: Das Natura 2000 Netzwerk ist für das Projekt von äußerst hoher Bedeutung. Der Großteil der Nistplätze der behandelten Arten befindet sich innerhalb von N2K-Flächen. Die zukünftige Entwicklung der Greifvogelbestände wird wesentlich von der Implementierung der Schutzmaßnahmen zum Erhalt dieser Flächen abhängen. Vor allem in Niederösterreich ist hier von Seiten des amtlichen Naturschutz in den vergangen Jahren nur sehr wenig geschehen und wir sehen großflächig einen Qualtiätsrückgang der Flächen. Wir hoffen aber, dass es uns gemeinsam mit anderen NGO´s gelingt, den amtlichen Naturschutz sowie die Politik zu einem Umdenken bewegen zu können. Projekte wie das CORO-Skat Projekt lieferen uns dazu wichtige fachliche Grundlagen, welche unsere naturschutzpolitische Arbeit maßgeblich unterstützen.

Markus Jais: Gibt es eine Zusammenarbeit mit den Jägern?
Matthias Schmidt: In manchen Regionen kooperieren wir mit der Jägerschaft. Die Jäger vor Ort kontrollieren für uns die Horste und geben uns Bescheid, wenn es Probleme gibt. Dadurch erhoffen wir uns – zumindest lokal – die Jäger für den Greifvogelschutz zu sensibilisieren. Erfreulicherweise sehen zumindest manche der Jäger die Adler dann als „ihre“ Adler an und freuen sich, wenn es ihnen gut geht.

Markus Jais: Wie wirken sich Schutzmaßnahmen für die Greifvögel auf andere Vögel und Säugetiere aus?
Matthias Schmidt: Da Greifvögel an der Spitze der Nahrungskette stehen, müssen für ihren Schutz klarerweise auch die Bedingungen für die anderen Glieder der Nahrungskette verbessert werden. Beispiele hierfür wären etwa Ackerbrachen oder Horstschutzzonen, welche für viele Tiere einen Rückzugsraum bzw. wichtige Nahrungsflächen darstellen. Vom Greifvogelschutz bzw. Großvogelschutz profitieren daher nicht nur andere Vögel und Säugetiere sondern eine Vielzahl an Organismen.

Markus Jais: Wie wirken sich die in Österreich für die Großtrappe durchgeführten Artenschutzmaßnahmen positiv auf Greifvögel aus?
Matthias Schmidt: Die Schutzmaßnahmen für die Großtrappe wirken sich sicherlich positiv aus. Zwei wesentliche Aspekte sind hier die Markierung von Leitungen, wodurch das Kollisionsrisko auch für Greifvögel verringert wird. Weiters werden durch die Erhaltung bzw. Anlegung von Ackerbrachen auch wertvolle Lebensräume für Greifvögel gesichert.

Markus Jais: Was können Vogelbeobachter und andere naturinteressierte Personen tun, um dem Projekt zu helfen?
Matthias Schmidt: Für unsere Arbeit ist es wichtig, die Verbreitung der Zielarten im Gebiet so gut wie möglich zu kennen. Obwohl wir hierfür natürlich Monitoringsprogramme haben, können VogelbeobachterInnen uns durch das Melden Ihrer Beobachtungen helfen, Lücken zu schließen bzw. diese zu minimieren. Wir bitten daher alle BeobachterInnen, uns ihre Beobachtungen via ornitho.at oder Email zukommen zu lassen.

Markus Jais: Was war dein schönstes Erlebnis mit Greifvögeln?
Matthias Schmidt: Das ist schwierig. Da gibt’s mehrere sehr schöne Erlebnisse. Sehr eindrucksvoll habe ich eine sehr nahe Begegnung mit einem Seeadler in den Donau-Auen in Erinnerung. Der Vogel flog dabei nur wenige Meter über mich drüber. Das war sehr beeindruckend.

Markus Jais: Matthias, vielen Dank für das Interview.

Weitere Information

Conservation of Raptors and Owls - Slovakia-Austria (Deutsch).